Sophos Fusion Lizenzen aktivieren, prüfen und erneuern
Die Lizenzseite in Sophos Fusion (ehemals Sophos Central) ist nicht nur eine kaufmännische Übersicht. Ein neuer oder geänderter Lizenzumfang kann Softwarekomponenten auf Geräten installieren, Funktionen freischalten oder nach Ablauf den Schutz und den Zugriff auf Fusion einschränken.
Der aktuelle Pfad lautet Profile icon > Licensing. Dort werden Produkt, Lizenztyp, Laufzeit und gemeldete Nutzung angezeigt. Die Zahlen werden nicht zwingend in Echtzeit aktualisiert und müssen immer zusammen mit Geräte-, Benutzer- und Produktreports beurteilt werden.
Lizenz vor der Aktivierung prüfen
Vor dem Einlösen eines Schlüssels werden License Schedule, Tenant und Produktumfang verglichen. Ein Aktivierungscode ist nur einmal verwendbar. Bei mehreren Tenants oder Firewalls muss zweifelsfrei klar sein, welchem Konto oder Gerät die Lizenz gehört.
Folgende Angaben gehören in die Kontrolle:
- Name und Datenregion des Fusion-Tenants,
- Produkt und Edition,
- Anzahl beziehungsweise vereinbarte Nutzung,
- Laufzeit sowie Start- und Enddatum,
- Erstkauf, Upgrade oder Renewal,
- betroffene Geräte und bereits installierte Komponenten,
- verantwortlicher Sophos Partner.
Eine Lizenzänderung kann Geräte ausserhalb eines geplanten Update-Zeitfensters aktualisieren. Wird beispielsweise XDR zu einem bestehenden Endpoint-Schutz hinzugefügt, kann Fusion die benötigten Komponenten auf den betroffenen Computern installieren. Auch eine neu zugewiesene Device-Encryption-Funktion kann unmittelbar Software nachinstallieren.
Für beauftragte Lizenzänderungen über mehrere MSP-Kunden beschreibt Change Licenses im Partnerportal den separaten Partnerablauf; die Aktivierung und Kontrolle im einzelnen Kunden-Tenant bleiben davon getrennt.
Aktivierung durchführen
- Auf das Profile icon klicken und Licensing öffnen.
- Apply Activation Code oder Apply License Key wählen.
- Den Schlüssel aus dem License Schedule einfügen und anwenden.
- Produkt, Edition, Anzahl und Laufzeit nach der Aktivierung erneut vergleichen.
- Auf Pilotgeräten prüfen, welche Komponenten installiert oder aktualisiert wurden.
Ein Trial benötigt zunächst keinen Aktivierungsschlüssel. Erst beim Wechsel auf eine bezahlte Lizenz wird der neue Lizenzumfang aktiviert.
Nutzung richtig interpretieren
Die Berechnung ist produktspezifisch. Endpoint-Produkte werden bei den meisten Kunden benutzerbasiert gezählt. Ein Benutzer kann mehrere Geräte besitzen, ein Gerät wird jeweils einem aktiven Benutzer zugeordnet. Die Nutzung wird pro Lizenztyp unabhängig berechnet. Dass ein Benutzer Endpoint verbraucht, bedeutet deshalb nicht automatisch, dass er auch XDR oder Device Encryption verbraucht.
Wichtige Besonderheiten:
- Geräte, die mehr als 30 Tage offline sind, werden bei der Endpoint-Nutzung vorübergehend nicht gezählt.
- Kehrt ein solches Gerät zurück, nimmt es die Lizenznutzung automatisch wieder auf.
- Doppelte lokale Logins können als mehrere Fusion-Benutzer erscheinen und die Nutzung erhöhen.
- Ein Endpoint ohne aktive Echtzeitprüfung zählt nicht zur Endpoint-Protection-Nutzung.
- RDS-Sitzungen benötigen Server Protection und werden nicht als normale Endpoint-Benutzer lizenziert.
- Andere Produkte wie Email, Server, Firewall, Wireless oder Switch verwenden eigene Berechnungsmodelle.
Die Produktanzeige kann die vertragliche Nutzung unterschätzen. Bei einer Abweichung hat die Sophos-EULA beziehungsweise der konkrete Lizenzvertrag Vorrang vor der Zähleranzeige im Portal.
Verursacher einer erhöhten Nutzung finden
Für Endpoint-Benutzer führt der Weg über Reports > Users. Dort werden aktive Benutzer, zugeordnete Geräte und letzte Aktivität geprüft. Dieser Report hilft bei der Ursachenanalyse, ist aber nicht für jedes Produkt ein vollständiger Lizenzreport.
Typische Ursachen sind:
- derselbe Mensch mit unterschiedlichen lokalen Logins auf mehreren Computern,
- alte oder neu installierte Geräte, die wieder online gekommen sind,
- falsch zugeordnete Logins nach einer Imaging- oder Domänenmigration,
- aktivierte Produktkomponenten, die nicht auf allen Geräten benötigt werden,
- nicht bereinigte Test- oder Pilotgeräte.
Wie mehrere Logins einem bestehenden Benutzer zugeordnet werden, beschreibt Sophos Fusion Lizenzen Benutzern zuordnen. Die Lizenz wird dabei nicht manuell wie ein Microsoft-365-Plan angehakt. Fusion berechnet die Nutzung aus Produkt, Gerät, Benutzerzuordnung und Aktivität.
Trials kontrollieren
Fusion-Trials laufen normalerweise 30 Tage. Mehrere Trials können parallel starten, sofern sich ihre Funktionen nicht überschneiden. Welcher Banner angezeigt wird, hängt sowohl von der seit dem Start der Trial-Lizenz verstrichenen Zeit als auch von der Anzahl der Trial-Lizenzen ab. Der erste Banner erscheint zu Beginn mit 28 verbleibenden Tagen und bestätigt, dass der Trial aktiv ist. Drei Tage vor Ablauf folgt die Kaufwarnung. Nach Ablauf bleibt der Hinweis sichtbar, bis für das Produkt eine Lizenz angewendet oder seine Nutzung beendet wird.
Neue Trials werden unter My Products > Free Trials beim gewünschten Produkt mit Start Trial aktiviert. Danach erscheint die Trial-Lizenz auf der Licensing-Seite und der produktbezogene Download beziehungsweise das Onboarding wird verfügbar. In der Spalte License # beginnt eine Trial-Lizenz mit C, eine reguläre Lizenz mit L; zusätzlich zeigt Expires das Enddatum.
Ein Sophos Partner oder Account Manager kann einen laufenden Trial verlängern. Nach dem Ablauf lässt sich derselbe Produkt-Trial nicht sofort selbst neu starten; Fusion verlangt normalerweise eine Wartefrist von 30 Tagen. Ein bereits regulär lizenziertes Produkt wird nicht zusätzlich als Trial angeboten.
Soll das Produkt übernommen werden, führt Buy Now auf der Seite Free Trials zur Partnerauswahl. Der Kauf selbst wird mit einem Sophos Partner abgeschlossen; ein Klick auf Buy Now aktiviert noch keine Lizenz.
Für Trial-Tenants gelten Grössenlimits, unter anderem bis zu 1'000 Objekte pro Objekttyp wie Benutzer, Gruppen, Mailboxen oder Geräte. Nach dem Wechsel auf eine bezahlte Lizenz entfällt dieses Trial-Limit.
Ein Trial wird nicht unbemerkt zur Produktionsbasis. Bereits vor der technischen Pilotierung werden Kaufentscheid, Rückbau, Datenaufbewahrung und Verhalten nach Ablauf festgelegt.
Technische Fragen zum laufenden Produkt gehören zum Sophos Support. Verlängerung, Lizenzfeedback und Kauf gehören zum Sophos Partner beziehungsweise Account Manager. Diese Trennung verhindert, dass ein technischer Case ohne kaufmännische Berechtigung als vermeintliche Trial-Verlängerung hängen bleibt.
Produktverfügbarkeit der Datenregion prüfen
Nicht jedes Sophos-Produkt ist in jeder Fusion-Datenregion verfügbar. Sophos nennt für Australien, Brasilien, Kanada, Indien und Japan unter anderem Einschränkungen bei einzelnen Produkten wie ITDR, Sophos Mobile oder APX Access Points. US- und EU-Regionen unterstützen den vollständigen Produktumfang.
Für Sophos ITDR gilt zusätzlich die aktuelle produktspezifische Freigabe: ITDR ist nur in den Sophos-Fusion-Datenregionen Germany, Ireland und US verfügbar. Vor Kauf oder Aktivierung wird die Region des vorhandenen Tenants unter Account Details > Account Preferences geprüft. Die Länder- und UI-Bezeichnungen werden dabei genau so mit dem License Schedule abgeglichen; Unternehmenssitz oder Rechnungsadresse ersetzen diese Prüfung nicht. Die vollständige Vorabprüfung von Region, Lizenzen und Rollen beschreibt Sophos ITDR planen: Voraussetzungen, Lizenzen, Regionen und Rollen.
Die Region wird deshalb vor Tenant-Erstellung und Lizenzkauf anhand des tatsächlich geplanten Portfolios gewählt. Existiert bereits eine inkompatible Lizenz in einem Tenant einer nicht unterstützten Region, wird sie nicht durch wiederholtes Einlösen repariert. Der Sophos Partner muss die Lizenz stornieren und für einen passenden neuen Fusion-Tenant neu ausstellen.
Eine Datenregion wird nicht allein für ein einzelnes zukünftiges Feature gewechselt. Datenschutz, bestehende Geräte, Verzeichnisse, Integrationen, Support und Migrationsaufwand werden gemeinsam bewertet.
Ablauf und Renewal
30 Tage vor einem Lizenzende zeigt Fusion bei jeder Anmeldung einen Hinweis. Er lässt sich schliessen, erscheint aber bei der nächsten Anmeldung erneut und ist für alle berechtigten Administratoren sichtbar. Über View licenses gelangt man zur Seite Licensing, um einen Schlüssel anzuwenden oder den Partner um das Renewal zu bitten.
Nach Ablauf wird die Warnung dringlicher. Sind alle Lizenzen abgelaufen und wurde nicht reagiert, lässt sich die letzte Warnung nicht mehr schliessen: Bis zum Renewal bleibt vom Fusion-Konto nur die Seite Licensing erreichbar, und der Tenant riskiert später eine Löschung.
Das genaue Verhalten hängt vom Produkt und Lizenztyp ab. Bei Endpoint können unter anderem folgende Auswirkungen eintreten:
- bestehende Geräte erhalten keine Updates mehr,
- neue Geräte lassen sich nicht schützen,
- Policies können nicht mehr geändert werden,
- nicht lizenzierte Komponenten werden entfernt,
- Seiten und Produkte verschwinden aus der Navigation,
- Tamper Protection kann trotz gekündigter Lizenz aktiv bleiben.
Bei Sophos Email muss vor einem endgültigen Ablauf zusätzlich sichergestellt werden, dass Mailflow, MX-Records und Connectoren nicht weiter auf einen nicht mehr aktiven Dienst zeigen. Firewall-Abonnements haben nochmals andere Folgen und werden in der Firewall-Kategorie behandelt.
Renewal ohne Unterbruch vorbereiten
Mindestens 60 Tage vor Ablauf beginnt die betriebliche Kontrolle:
- Lizenzbestand und tatsächliche Nutzung erfassen.
- Nicht mehr benötigte Geräte, Benutzer und Produkte bereinigen.
- Gewünschte Edition und neue Funktionen mit dem Partner abstimmen.
- License Schedule und automatische oder manuelle Aktivierung klären.
- Technische Auswirkungen eines Upgrades pilotieren.
- Nach dem Renewal Laufzeit, Nutzung und Gerätekomponenten erneut prüfen.
Ein Renewal wird nicht allein dadurch bestätigt, dass eine Bestellung vorliegt. Entscheidend ist der neue Status im richtigen Fusion-Tenant und die fortgesetzte Update- und Schutzfunktion auf den Geräten.
Typische Fehlerbilder
Nutzung höher als gekauft
Zuerst wird nach Lizenztyp getrennt. Danach werden aktive Benutzer, Gerätezuordnung, doppelte Logins und kürzlich reaktivierte Geräte geprüft. Fusion sperrt Funktionen nicht automatisch nur wegen jeder errechneten Überschreitung, die vertragliche Unterlizenzierung muss trotzdem korrigiert werden.
Nutzung sinkt nach einer Löschung nicht sofort
Die Lizenzberechnung arbeitet zeitversetzt. Bei Endpoint kann ein gelöschtes Gerät noch bis zum Ablauf des 30-Tage-Fensters in die Berechnung einfliessen. Der Bestand wird deshalb nicht mehrfach gelöscht oder neu installiert, sondern nach dokumentierter Wartezeit erneut geprüft.
Lizenz aktiviert, Funktion fehlt
Tenant, Produktedition, Laufzeit und betroffene Geräte werden kontrolliert. Danach werden Agent Mode, Softwarepaket und Policy-Zuweisung geprüft. Nicht jede Lizenz installiert sofort jede Funktion auf jedem Gerät.
Fusion zeigt nur noch Licensing
Sind alle Lizenzen abgelaufen, kann der Zugriff auf diese Seite beschränkt sein. Ein gültiger Schlüssel muss angewendet oder der Renewal-Status mit dem Sophos Partner geklärt werden.