Sophos Email: Lizenzen, Nutzung und Laufzeit verwalten
Bei Sophos Email richtet sich der Lizenzbedarf nicht einfach nach allen Adressobjekten im Verzeichnis. Gezählt werden persönliche und gemeinsam genutzte Mailboxen, für die Sophos in den vergangenen 30 Tagen mindestens eine Nachricht verarbeitet hat. Aliase, Verteilerlisten und öffentliche Ordner benötigen dagegen keine eigene Lizenz.
Schnellweg: Edition und Add-ons nach den benötigten Funktionen auswählen, persönliche und gemeinsam genutzte Mailboxen inventarisieren und unter Reports > Email Security > License Usage Summary mit der vorhandenen Berechtigung abgleichen. Überschreitungen früh bereinigen oder nachlizenzieren. Vor Ende einer Testphase oder Laufzeit entscheidet man verbindlich über Verlängerung oder Rückbau; auf eine mögliche Übergangslizenz darf man sich nicht verlassen.
Lizenzumfang passend auswählen
Sophos bietet zwei Grundeditionen an:
- Sophos Email enthält die zentralen Funktionen für E-Mail-Sicherheit und Schutz.
- Sophos Email Plus umfasst diese Funktionen und zusätzliche erweiterte Schutz- und Reporting-Funktionen.
Die konkreten benötigten Funktionen hält man vor der Bestellung fest und lässt die Zuordnung zur aktuellen Edition durch den Sophos-Partner oder Vertrieb bestätigen. So vermeidet man, aus einer Funktionsbezeichnung auf eine Edition zu schliessen, wenn sich das Angebot ändert. Sophos Email ist für Geschäftskunden vorgesehen; dazu zählen kommerzielle, Bildungs- und staatliche Organisationen. Über einen Managed Service Provider ist es auch als monatliches Flex-Angebot erhältlich, wobei dieselben Lizenzregeln gelten.
Lizenzen aktiviert und verwaltet man in Sophos Fusion (ehemals Sophos Central) über das Profile icon > Licensing. Für die Bestellung benötigt man mindestens Edition, Laufzeit sowie die erwartete Zahl persönlicher und gemeinsam genutzter geschützter Mailboxen.
Add-ons getrennt planen
Portal Encryption
Portal Encryption erweitert Sophos Email um Portalverschlüsselung. Die Nachricht liegt verschlüsselt im Webportal; der Empfänger meldet sich dort an, liest sie und kann aus dem Portal antworten. Das Add-on ermöglicht zudem eigenes Branding für Verschlüsselungsnachrichten und Portal.
Dabei gelten klare Grenzen:
- Eine kostenlose Add-on-Testphase kann man starten, wenn bereits eine gekaufte Sophos-Email-Lizenz vorhanden ist.
- Die Sophos-Email-Testphase und das Portal-Encryption-Add-on können nicht gleichzeitig getestet werden.
- Die Zahl der Portal-Encryption-Lizenzen darf die Zahl der Sophos-Email-Lizenzen nicht überschreiten.
- Die Zuweisung an Benutzer erfolgt über die Secure Message policy.
- Eigenes Branding für Verschlüsselungsnachrichten und Portal setzt das Add-on voraus.
DMARC Manager
DMARC Manager ist in Sophos Email Plus enthalten und für Kunden mit Sophos Email sowie für Kunden mit einer Lizenz für das Sophos Email Monitoring System (EMS) separat als Add-on erhältlich. Sophos Email und EMS bleiben dabei getrennte Produkte. Aus der Add-on-Verfügbarkeit für EMS lässt sich weder eine EMS-Basisberechtigung durch eine Sophos-Email-Lizenz noch umgekehrt ableiten.
DMARC Manager liefert Übersichts- und Detailberichte zur DMARC-Authentifizierung und -Konformität ausgehender E-Mails. Für den Lizenzabgleich hält man das vorhandene Basisprodukt und die DMARC-Manager-Berechtigung getrennt fest. Fehlt die erwartete Berechtigung, klärt man die Bestellung mit dem Sophos-Partner oder Vertrieb. Ist die Berechtigung vorhanden, bleiben die Berichte nach erfolgreicher Einrichtung aber aus, wechselt man zur zuständigen DMARC-Manager- oder EMS-Einrichtungs- und Diagnoseanleitung oder wendet sich an Sophos Support.
So berechnet Sophos die Nutzung
Der Bericht License Usage Summary zählt jede Mailbox, für die Sophos Email in den letzten 30 Tagen mindestens eine E-Mail verarbeitet hat. Der Verbrauch wird alle vier Stunden aktualisiert. Daraus folgen vier wichtige Abgrenzungen:
- Persönliche Benutzer und gemeinsam genutzte Mailboxen benötigen eine Lizenz, wenn sie geschützt werden und im 30-Tage-Fenster verarbeitet wurden.
- Ein Alias, eine Verteilerliste oder ein öffentlicher Ordner benötigt keine eigene Lizenz.
- Eine vorhandene, aber in den letzten 30 Tagen nicht verarbeitete Mailbox trägt nicht zum aktuellen Verbrauch bei. Sie kann wieder zählen, sobald Sophos eine Nachricht für sie verarbeitet.
- Wird eine Mailbox aus Sophos Email gelöscht, entfernt Sophos sie sofort aus der Berechnung; der niedrigere Wert erscheint innerhalb des vierstündigen Aktualisierungszyklus.
Der Email-Bericht kombiniert die eindeutige Nutzung von Sophos Email und Sophos Phish Threat. Er trennt die beiden Produkte nicht in zwei Verbrauchszahlen. Wenn beide Produkte verwendet werden, darf man den angezeigten Gesamtwert deshalb nicht als reine Sophos-Email-Mailboxzahl interpretieren oder beide Bestände einfach addieren.
Verbrauch und Berechtigung abgleichen
Für einen belastbaren monatlichen Abgleich:
- Berechtigung erfassen: Edition, Laufzeit, lizenzierte Menge sowie Portal-Encryption- und DMARC-Manager-Umfang aus Vertrag oder Partnerbestätigung notieren.
- Soll-Bestand bilden: Persönliche und gemeinsam genutzte geschützte Mailboxen aus der führenden Mailboxquelle erfassen. Aliase, Verteilerlisten und öffentliche Ordner separat markieren, statt sie als lizenzpflichtig mitzuzählen.
- Bericht öffnen: Unter Reports > Email Security > License Usage Summary Wert und Hinweise auf eine Überschreitung prüfen.
- Abweichungen erklären: Das rollierende 30-Tage-Fenster, den vierstündigen Aktualisierungszyklus, gelöschte Mailboxen und die kombinierte eindeutige Email-/Phish-Threat-Nutzung berücksichtigen.
- Entscheidung dokumentieren: Nicht mehr benötigte Mailboxen nur nach Prüfung ihrer fachlichen und technischen Abhängigkeiten entfernen; andernfalls ausreichende Lizenzen beschaffen.
Eine Momentaufnahme des Verzeichnisses und der Bericht müssen nicht identisch sein: Das Verzeichnis zeigt vorhandene Objekte, der Bericht die tatsächlich verarbeitete eindeutige Nutzung im rollierenden Zeitraum. Für die Kapazitätsplanung ist deshalb zusätzlich Wachstum und Reaktivierung vorhandener Mailboxen einzuplanen.
Überschreitung behandeln
Wird der Lizenzumfang überschritten, markiert Sophos das Konto und sendet einen Sophos-Central-Alert. Die Mailboxen bleiben zunächst vollständig geschützt. Im License Usage Summary lassen sich die Mailboxen prüfen, die wegen der Überschreitung als nicht lizenziert ausgewiesen werden.
Man ignoriert den Alert trotzdem nicht. Zuerst prüft man Zählmodell und Bestand, entfernt nur tatsächlich nicht mehr benötigte Mailboxen oder beschafft zusätzliche Lizenzen über den Vertrieb. Ohne Massnahme fordert Sophos eine Reduktion der Benutzerzahl oder den Kauf der zusätzlichen Lizenzen. Das konkrete Ergebnis kann von Lizenztyp und Ablaufdatum abhängen.
Testphase kontrolliert abschliessen
Die kostenlose Sophos-Email-Testphase dauert 30 Tage und bietet Zugriff auf alle Sophos-Email-Funktionen. Sophos Email ist Bestandteil der normalen Sophos-Central-Testlizenz und wird bei einer Testanforderung automatisch einbezogen. Vor dem Start hält man Beginn, Ende, erwartete Mailboxzahl, gewünschte Ziel-Edition und den Verantwortlichen für Kauf oder Rückbau fest.
Nach Testende kann Sophos den Schutz über eine kurzfristige temporäre Lizenz bis zu 30 weitere Tage bereitstellen. Dies ist weder garantiert noch zwingend kostenlos; Sophos behält sich eine Lizenzgebühr vor. Eine Verlängerung der Testphase ist ebenfalls nicht garantiert. Wird die Testquote überschritten, markiert Sophos das Konto am Monatsende zur Lizenzierung und fordert eine Reduktion oder Bezahlung der zusätzlichen Lizenzen.
Ablauf und Rückbau absichern
Ohne Verlängerung endet der Schutz und Sophos entzieht nach einem möglichen Übergangszeitraum den Zugriff auf Sophos Email. Wird innerhalb einer gewährten temporären Phase verlängert, beginnt die neue Lizenz rückwirkend an dem Tag, an dem die vorherige Lizenz endete. Deshalb plant man Verlängerung oder Rückbau vor dem vertraglichen Enddatum und kontaktiert bei bereits abgelaufener Lizenz sofort den Sophos-Partner oder Vertrieb.
Der Rückbau hängt vom Domainmodus ab:
- Gateway: Die MX-Einträge müssen manuell so geändert werden, dass E-Mails nicht mehr an Sophos gehen. Bleiben sie auf Sophos gerichtet, werden Nachrichten nach dem Schutzende abgewiesen. Den neuen beziehungsweise wiederhergestellten Zielpfad testet man, bevor der Sophos-Zugriff endet.
- Mailflow: Sophos löst eine automatische Bereinigung der Konfiguration in Microsoft 365 aus. Trotzdem prüft man in Microsoft 365 ausdrücklich, ob die Connectors und Mailflow-Regeln entfernt wurden. „Automatisch“ ersetzt hier nicht die Abschlusskontrolle.
Das Ablaufdatum allein ist kein Umschaltplan. Im Change gehören Verantwortliche, aktueller Mailpfad, genehmigter Zielpfad, Testnachrichten und Eskalationskontakt zusammen. Routing ändert man nur nach einem dokumentierten, providerspezifischen Verfahren; dieser Lizenzleitfaden erfindet keine Connector- oder DNS-Schritte.
Abweichungen systematisch prüfen
- Bericht höher als erwartet: Prüfen, ob in den letzten 30 Tagen noch Nachrichten für inzwischen inaktive Mailboxen verarbeitet wurden und ob Phish Threat zur kombinierten eindeutigen Nutzung beiträgt. Aliase, Verteilerlisten und öffentliche Ordner nicht als eigenständige Lizenzen behandeln.
- Gelöschte Mailbox noch sichtbar: Zeitpunkt der Löschung festhalten und nach dem nächsten vierstündigen Zyklus erneut prüfen. Bleibt der Wert danach unverändert, Berichtsdaten und betroffene Mailbox für Sophos Support dokumentieren.
- Bericht niedriger als der Bestand: Prüfen, welche Mailboxen im rollierenden 30-Tage-Fenster tatsächlich verarbeitet wurden. Ein niedriger Momentanwert ist keine Garantie, dass die Menge bei erneutem Mailverkehr reicht.
- Alert trotz scheinbar passender Menge: Vertragsmenge und Edition gegen Licensing abgleichen, dann den kombinierten Email-/Phish-Threat-Bericht prüfen. Keine Schutzobjekte nur zur kosmetischen Korrektur des Reports löschen.
- Laufzeitende unklar: Schriftliche Bestätigung von Partner oder Vertrieb einholen. Bis dahin weder eine mögliche 30-Tage-Übergangsphase noch eine automatische Mailflow-Bereinigung als zugesichert behandeln.