Generischen LDAP-Server mit Sophos Firewall verbinden
Mit dem Servertyp LDAP server authentifiziert Sophos Firewall Benutzer aus OpenLDAP, 389 Directory Server, FreeIPA, Google Secure LDAP und anderen LDAP-Verzeichnissen. Der vollständige Ablauf besteht aus vier Teilen: lokale Gruppe anlegen, LDAP-Server sicher verbinden, Server unter Authentication > Services aktivieren und Anmeldung sowie Gruppenzuordnung mit einem echten Benutzer prüfen.
Für Windows Active Directory mit LDAPS, Gruppenimport oder AD SSO passt Active Directory mit Sophos Firewall verbinden besser. RADIUS über Microsoft NPS oder ein MFA-Gateway behandelt Sophos Firewall RADIUS-Server einrichten.
Wer den nativen eDirectory-Servertyp vor SFOS 23 ablösen muss, findet unter eDirectory vor SFOS 23 migrieren den vollständigen Ablauf mit Inventur, Zielwahl, Parallelbetrieb und Rückweg.
Voraussetzungen
- WebAdmin-Zugriff auf die Sophos Firewall
- Erreichbarkeit des LDAP-Servers von der Firewall, üblicherweise über Port
389für STARTTLS oder636für SSL/TLS - ein Bind-Konto mit Leserechten auf den benötigten Verzeichnisbereich
- Bind DN und Base DN, zum Beispiel
cn=svc-sophos,ou=service,dc=example,dc=netundou=people,dc=example,dc=net - die tatsächlich verwendeten Benutzerattribute, etwa
uid,cn,mailund ein Gruppenattribut - bei Zertifikatsprüfung die passende CA-Vertrauenskette und funktionierende DNS-Auflösung
⚠️ Ein Bind-Konto sollte nur Leserechte auf den benötigten Teilbaum haben. Es wird nicht für administrative Änderungen im Verzeichnis verwendet, sondern nur, um Benutzeranfragen der Firewall am LDAP-Server zu authentifizieren.
LDAP-Server anlegen
Lokale LDAP-Gruppe vorbereiten
Authentication > Groupsöffnen undAddwählen.- Eine eindeutige Gruppe anlegen, zum Beispiel
LDAP-Benutzer. - Zugriff, Zeitkontingente und weitere Gruppenrichtlinien passend zum späteren Einsatz festlegen und speichern.
Diese Gruppe wird später als Default group verwendet. Sie verhindert nicht automatisch den Zugriff: Entscheidend sind die für die Gruppe hinterlegten Richtlinien und die Regeln des jeweiligen Dienstes.
Die allgemeine Gruppenlogik mit restriktiver Default Group, Benutzer-Overrides, Pilot und Rückweg steht unter Sophos Firewall Benutzergruppen sicher verwalten; die LDAP-spezifische Zuordnung folgt danach aus Gruppenattribut und Verzeichnisschema.
Verbindung und Bind konfigurieren
Authentication > Serversöffnen undAddwählen.- Als
Server typeden EintragLDAP serverauswählen. - Einen eindeutigen
Server namevergeben, zum BeispielLDAP-Firma. - Unter
Server IP/domainden DNS-Namen des LDAP-Servers eintragen. Bei aktiver Zertifikatsprüfung muss er dem Namen im Serverzertifikat entsprechen. Version 3verwenden, sofern das Verzeichnis keine andere Version verlangt. Google Secure LDAP unterstützt nur Version 3.- Für den produktiven Betrieb
SSL/TLSoderSTARTTLSund den dazu passenden Port wählen. Anonymous logindeaktivieren undBind DNsowiePassworddes Lesekontos eintragen.Append base DNnur aktivieren, wenn der LDAP-Server die Base DN beim Bind zusätzlich erwartet.Validate server certificateaktivieren, sobald Name, DNS und CA-Vertrauen korrekt eingerichtet sind. EinClient certificatewird nur benötigt, wenn der LDAP-Dienst eine gegenseitige Zertifikatsauthentifizierung verlangt.
Suchbasis und Attribute eintragen
- Unter
Base DNden Startpunkt der Benutzersuche eintragen, zum Beispielou=people,dc=example,dc=net.Get base DNkann die vom Server angebotene Suchbasis abrufen. - Als
Authentication attributedas Anmeldeattribut setzen, häufiguidodermail. Display name attributeundEmail address attributepassend zum Benutzerobjekt eintragen, beispielsweisecnundmail.- Unter
Group name attributedas Attribut eintragen, aus dem die Firewall Gruppeninformationen des Benutzers erhält. Sophos empfiehltmemberOf; der korrekte Wert hängt jedoch vom Verzeichnisschema ab. - Wenn das Verzeichnis ein Ablaufdatum für Konten liefert, das passende
Expiry date attributeeintragen. Test connectionausführen und mitSavespeichern.
Test connection prüft laut Sophos die Verbindung und die Zugangsdaten. Ob die Base DN alle benötigten Benutzer umfasst und Gruppen richtig zugeordnet werden, zeigt erst ein echter Login.
Verschlüsselung richtig wählen
Plaintext-LDAP überträgt Anmeldedaten unverschlüsselt und eignet sich höchstens für einen isolierten Test. Produktiv sollte die Verbindung über SSL/TLS, meistens Port 636, oder STARTTLS, meistens Port 389, geschützt werden.
Dabei sind zwei Zertifikatsrollen zu unterscheiden:
Validate server certificateprüft die Identität des entfernten LDAP-Servers.Server IP/domainmuss einem gültigen DNS-Namen im Zertifikat entsprechen, also dem Common Name oder einem Subject Alternative Name. Kann die Firewall diesen Namen nicht auflösen, wird unterNetwork > DNS > DNS host entryein passender DNS-Eintrag angelegt. TTL, Reverse Lookup und Resolver-Test erklärt DNS Host Entries auf Sophos Firewall einrichten. Zusätzlich muss die ausstellende CA vertrauenswürdig sein.Client certificateweist die Firewall gegenüber einem LDAP-Dienst aus, der gegenseitige Zertifikatsauthentifizierung verlangt. Dieses Zertifikat ersetzt nicht die Prüfung des Serverzertifikats.
Bei einem TLS-Fehler zuerst Servername, DNS-Auflösung, Gültigkeit und CA-Kette korrigieren. Die Serverzertifikatsprüfung abzuschalten, sollte nicht die Standardlösung sein.
Bind DN und Base DN richtig eintragen
Die häufigste Fehlerquelle bei einem neuen LDAP-Server ist eine falsch geschriebene oder falsch verstandene DN-Syntax.
- Ein DN läuft vom spezifischen Objekt zur Verzeichniswurzel, zum Beispiel
cn=svc-sophos,ou=service,dc=example,dc=net. - Die Base DN beginnt dort, wo die Benutzersuche starten soll. Liegen Benutzer in mehreren Organisationseinheiten, muss sie weit genug oben im Baum stehen.
- Eine zu enge Base DN liefert trotz erreichbarem Server keine passenden Benutzer. Eine unnötig breite Suchbasis kann die Suche verlangsamen und unerwünschte Objekte einschliessen.
Append base DNhängt die Base DN beim Bind an einen unvollständigen Bind DN an. Bei einem bereits vollständigen DN bleibt die Option normalerweise aus; massgeblich ist das Verhalten des LDAP-Servers.
Gruppen und Dienste aktivieren
Group name attribute ist kein universeller Schalter für jede LDAP-Gruppenstruktur. Die Firewall liest beim Login das konfigurierte Attribut am Benutzerobjekt und verwendet die zurückgelieferten Gruppeninformationen für die Zuordnung. Sophos empfiehlt memberOf, und Google Secure LDAP verwendet diesen Wert. OpenLDAP, 389-ds oder FreeIPA können je nach Schema, Overlay und Benutzerobjekt jedoch einen anderen Wert benötigen.
Nicht allein vom Gruppentyp groupOfNames oder posixGroup auf das Benutzerattribut schliessen. Entscheidend ist, was das reale Benutzerobjekt tatsächlich zurückliefert und ob die dazugehörige Gruppe auf der Firewall passend abgebildet ist. Findet die Firewall keine passende Gruppenzuordnung, landet der Benutzer in der konfigurierten Default Group.
Danach den Server aktivieren:
Authentication > Servicesöffnen.- Unter
Firewall authentication methodsden LDAP-Server auswählen und in die gewünschte Reihenfolge derSelected authentication serversverschieben. Die Firewall fragt mehrere Server in dieser Reihenfolge ab. - Als
Default groupdie zuvor erstellte GruppeLDAP-Benutzerwählen undApplyanklicken. - Falls Benutzer sich am User Portal, VPN Portal, per SSL VPN, an einem anderen VPN-Dienst oder als Administrator anmelden sollen, den LDAP-Server auch unter der jeweiligen Authentifizierungsmethode auswählen.
Google Secure LDAP einrichten
Vor der Firewall-Konfiguration wird in der Google Admin Console ein LDAP-Client erstellt. Dabei werden dessen Zugriffsrechte festgelegt, das Zertifikat mit privatem Schlüssel heruntergeladen und separate Zugangsdaten erzeugt. Das Passwort wird nach dem Schliessen des Google-Dialogs nicht erneut angezeigt.
Das Google-Clientzertifikat wird unter Certificates > Certificates > Add mit Zertifikat und privatem Schlüssel importiert. Es kann in Sophos Firewall als nicht vertrauenswürdig erscheinen, weil es von Google selbstsigniert ist, funktioniert aber trotzdem für die Clientauthentifizierung. Diese Anzeige betrifft nicht die Prüfung des Serverzertifikats.
Für den LDAP-Server gelten folgende Werte:
Server IP/domain:ldap.google.comVersion:3Connection security:SSL/TLSPort:636Anonymous login: ausBind DNundPassword: die erzeugten Google-LDAP-ZugangsdatenAppend base DN: ausClient certificate: das importierte Google-ZertifikatBase DN: eintragen oder überGet base DNabrufenAuthentication attribute:UIDDisplay name attribute:CNEmail address attribute:mailGroup name attribute:memberOfExpiry date attribute:expiry
mail wird für die Google-LDAP-Gruppenerstellung benötigt. Nach dem Speichern gelten dieselben Schritte wie bei einem lokalen Verzeichnis: lokale LDAP-Gruppe festlegen, Server unter Authentication > Services aktivieren und einen echten Login samt Gruppenzuordnung testen.
Verbindung und Gruppenzuordnung prüfen
Eine belastbare Abnahme umfasst mehrere Ebenen:
Test connectionbestätigt Verbindung und Bind-Zugangsdaten.- Ein Benutzer meldet sich am vorgesehenen Dienst an, etwa am VPN Portal oder Captive Portal.
- Unter
Authentication > Userswird geprüft, ob Benutzer und Gruppe wie erwartet erscheinen. - Bei mehreren LDAP-Gruppen wird mindestens ein Benutzer aus jeder relevanten Gruppe geprüft. Eine Richtlinie oder Testregel bestätigt, dass nicht nur der Login, sondern auch die jeweilige Gruppenberechtigung greift.
- Ein falsches Passwort wird abgewiesen und der
Log viewerzeigt einen nachvollziehbaren Authentifizierungsfehler.
Wenn das Schema unklar ist, kann ein Administrator das Benutzerobjekt von einem Linux-Administrationssystem oder dem LDAP-Server aus read-only prüfen:
ldapsearch -LLL -x -H ldaps://ldap.example.net:636 \
-D 'cn=svc-sophos,ou=service,dc=example,dc=net' -W \
-b 'ou=people,dc=example,dc=net' \
'(uid=max.muster)' '*' '+'
-W fragt das Bind-Passwort interaktiv ab, damit es nicht in der Shell-History steht. '*' zeigt normale und '+' operative Attribute; den Suchfilter bei einem anderen Anmeldeattribut entsprechend anpassen. Der Befehl gehört nicht in die Advanced Shell der Sophos Firewall. Entscheidend ist, ob das Benutzerobjekt die erwarteten Attribute und Gruppenwerte tatsächlich liefert. Die Ausgabe kann personenbezogene Verzeichnisdaten enthalten und muss vor einem Ticket oder einer Weitergabe anonymisiert werden.
Typische Fehler
- Keine Verbindung: Routing, DNS, Port und
Connection securityprüfen. Danach Bind DN, Passwort undAnonymous loginkontrollieren. - TLS- oder Zertifikatsfehler: DNS-Namen im Serverzertifikat, DNS-Auflösung, Gültigkeit und CA-Kette prüfen. Die Serverzertifikatsprüfung nicht als erste Massnahme deaktivieren.
- Test connection funktioniert, Benutzer wird aber nicht gefunden: Base DN ist häufig zu eng oder
Authentication attributestimmt nicht mit dem Anmeldenamen überein. - Login funktioniert, Benutzer landet aber in der Default Group:
Group name attributeam realen Benutzerobjekt, lokale Gruppenabbildung und Gruppenreihenfolge prüfen.memberOfist ein häufiges Beispiel, aber nicht für jedes Schema garantiert. - Google Secure LDAP bindet nicht: Version 3, Port 636, deaktiviertes
Anonymous login, deaktiviertesAppend base DN, Zugangsdaten und Google-Clientzertifikat kontrollieren. - Server ist angelegt, wird aber nicht verwendet: Zuordnung, Reihenfolge und
Default groupunterAuthentication > Servicesprüfen. - Suche ist langsam oder liefert unerwünschte Konten: Base DN enger auf den benötigten Teilbaum setzen.
- Ein anderer Authentifizierungsserver reagiert zuerst: Reihenfolge der ausgewählten Server für den betroffenen Dienst korrigieren.