Sophos Firewall Let's Encrypt Zertifikate einrichten
Mit Let’s Encrypt Zertifikaten auf Sophos Firewall kann man öffentliche HTTPS-Zertifikate direkt auf der Firewall erstellen und automatisch erneuern lassen. Das ist besonders praktisch für WAF-Veröffentlichungen, WebAdmin, User Portal, VPN Portal, Captive Portal, SPX Portal, Hotspot-Anmeldeseiten und SMTP-TLS-Konfigurationen.
Die Funktion reduziert manuelle Zertifikatsarbeit, ersetzt aber keine saubere Planung. DNS, öffentliche Erreichbarkeit, Port 80, Zertifikatsnamen, WAF-Regeln, Portalzugriff und Monitoring müssen zusammenpassen. Wenn die Validierung oder Erneuerung unbemerkt fehlschlägt, kann ein Portal oder eine veröffentlichte Webanwendung trotz eigentlich richtiger WAF-Regel plötzlich mit Zertifikatswarnung ausfallen.
Für die eigentliche Veröffentlichung eines Webservers passt zuerst Sophos Firewall WAF: Webserver sicher veröffentlichen. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Zertifikatsseite und den Betrieb von Let’s Encrypt auf der Firewall.
Wann Let’s Encrypt auf der Firewall sinnvoll ist
Der eingebaute Let’s-Encrypt-Weg ist sinnvoll, wenn die Sophos Firewall selbst den öffentlichen Dienst bereitstellt oder als Reverse Proxy davorsteht.
| Einsatz | Typische Verwendung |
|---|---|
| WAF / Web Server Protection | öffentlich erreichbare HTTPS-Anwendungen mit eigenem FQDN |
| WebAdmin | administrativer Zugriff mit sauberem Zertifikat, wenn WebAdmin extern oder intern über FQDN genutzt wird |
| User Portal / VPN Portal | Benutzer laden VPN-Konfigurationen oder melden sich über ein Portal an |
| Captive Portal / Hotspot | Benutzer sehen eine HTTPS-Anmeldeseite ohne Zertifikatswarnung |
| SMTP TLS | Mail Protection oder SMTP-TLS-Konfiguration mit öffentlichem Zertifikat |
Nicht jeder Dienst passt zu diesem Weg. Für Wildcard-Zertifikate oder Zertifikate, die auf mehreren Systemen ausserhalb der Firewall eingesetzt werden sollen, ist ein extern erzeugtes Zertifikat oft besser. Dafür gibt es den bestehenden Artikel Let’s Encrypt Wildcard Zertifikat erstellen.
Grenzen und wichtige Unterschiede
Sophos Firewall erstellt Let’s-Encrypt-Zertifikate für konkrete FQDNs. Die Integration ist nicht dasselbe wie ein frei verwalteter ACME-Client auf einem Linux-Server.
Wichtige Punkte:
- Die Domain muss als vollständiger FQDN angegeben werden.
- Wildcard-Domains sind für den eingebauten Firewall-Prozess nicht der passende Weg.
- IP-Adressen sind keine gültigen Zertifikatsnamen.
- Die HTTP-Domainvalidierung muss die Firewall über Port
80erreichen können. - Die Firewall erstellt für die Validierung temporäre Webserver- beziehungsweise WAF-Komponenten.
- Nach erfolgreicher Ausstellung werden die temporären Validierungskomponenten wieder entfernt.
- Zertifikate sind kurzlebig und müssen automatisch erneuert werden.
Sophos hat die Funktion mit SFOS 21 eingeführt. Die Avanet-Einordnung zu den damaligen Neuerungen steht im Blogpost Sophos Firewall v21: die wichtigsten Neuerungen. In neueren Release Notes sind mehrere WAF- und Let’s-Encrypt-Korrekturen aufgeführt. Für produktive Umgebungen heisst das: Firmwarestand, Zertifikatsstatus und WAF-Betrieb sollten zusammen geprüft werden, nicht isoliert.
Voraussetzungen
Vor dem Erstellen eines Zertifikats sollten diese Punkte geklärt sein:
- Die Firewall läuft auf einer SFOS-Version mit Let’s-Encrypt-Unterstützung.
- Der öffentliche DNS-Name zeigt auf die WAN-Adresse oder Hosted Address der Firewall.
- Port
80ist für die HTTP-Validierung von aussen erreichbar. - Es gibt keine aktive DNAT-, WAF- oder andere Regel, die die Validierungsanfrage auf Port
80abfängt. - Die Firewall kann selbst ins Internet kommunizieren.
- Datum, Uhrzeit und NTP der Firewall stimmen.
- Für den späteren Dienst ist klar, ob das Zertifikat in WAF, WebAdmin, Portal oder SMTP TLS verwendet wird.
- Ein Owner prüft Zertifikatsablauf, Renewal-Status und betroffene Dienste regelmässig.
⚠️ Let’s Encrypt ist kein Workaround für unsaubere öffentliche Erreichbarkeit. Wenn Port
80durch eine alte DNAT-Regel, eine andere WAF-Regel, ein vorgelagertes NAT oder einen Providerfilter blockiert wird, kann die Zertifikatsanforderung oder Erneuerung scheitern.
Zertifikatsnamen planen
Vor der technischen Einrichtung sollte feststehen, welche Hostnamen wirklich gebraucht werden. Gute Zertifikatsplanung verhindert spätere Korrekturen an WAF-Regeln, Portalen und DNS.
Beispiele:
| Hostname | Typischer Einsatz |
|---|---|
portal.example.com | User Portal oder VPN Portal |
vpn.example.com | VPN Portal oder SSL-VPN-Downloadpfad |
admin.example.com | WebAdmin, wenn extern oder über Management-FQDN genutzt |
app.example.com | WAF-veröffentlichte Anwendung |
mail.example.com | SMTP TLS oder Mail Protection |
Bei mehreren Anwendungen sollte man nicht vorschnell alles in ein Zertifikat packen. Ein Zertifikat mit vielen Namen kann praktisch sein, macht aber auch Abhängigkeiten grösser. Wenn ein Zertifikat erneuert, ersetzt oder zurückgebaut wird, sind alle enthaltenen Hostnamen betroffen.
Für WAF-Regeln ist zusätzlich wichtig, dass DNS, Zertifikat, Domains in der WAF-Regel und SNI zusammenpassen. Die WAF-Grundlagen sind in Sophos Firewall WAF: Webserver sicher veröffentlichen beschrieben.
Let’s Encrypt Account und Zertifikat erstellen
Die Einrichtung erfolgt im WebAdmin im Bereich Certificates. Je nach SFOS-Version kann die genaue Darstellung leicht variieren, der Ablauf bleibt aber ähnlich.
Grundablauf:
- Certificates öffnen.
- Let’s-Encrypt-Bereich beziehungsweise Zertifikatsanforderung öffnen.
- Let’s-Encrypt-Konto auf der Firewall vorbereiten.
- Gewünschte FQDNs eintragen.
- WAN-Interface oder öffentliche Adresse für die HTTP-Validierung auswählen.
- Prüfen, ob Port
80von aussen zur Firewall zeigt. - Zertifikat anfordern.
- Nach erfolgreicher Ausstellung unter Certificates > Certificates prüfen, ob das Zertifikat vorhanden und gültig ist.
Während der Validierung nutzt die Firewall den HTTP-Challenge-Response-Mechanismus. Dafür müssen externe Let’s-Encrypt-Systeme den Validierungspfad erreichen können. Wenn die Firewall hinter einem Router, Load Balancer oder Provider-NAT steht, muss die Weiterleitung auf die Firewall zeigen.
Zertifikat verwenden
Nach der Ausstellung ist das Zertifikat nur vorhanden. Es schützt einen Dienst erst, wenn es dort aktiv ausgewählt wurde.
Typische Zuordnung:
| Dienst | Wo prüfen |
|---|---|
| WAF | betroffene WAF-Regel unter Rules and policies > Firewall rules |
| WebAdmin | Zertifikat für die WebAdmin-Konsole in den Admin-/Device-Access-nahen Einstellungen |
| User Portal / VPN Portal | Portal- beziehungsweise VPN-Portal-Konfiguration |
| Captive Portal / Hotspot | Anmeldeseite und Portalzertifikat |
| SMTP TLS | E-Mail- beziehungsweise SMTP-TLS-Konfiguration |
Nach der Zuordnung sollte man nicht nur im WebAdmin speichern, sondern den Dienst extern testen. Bei WAF-Veröffentlichungen passt ein Test von ausserhalb des eigenen LANs, weil interne DNS-Sicht, NAT Loopback oder Browsercache sonst falsche Sicherheit geben können.
Go-live-Test
Ein erfolgreicher Go-live-Test besteht aus DNS, TLS, Dienstfunktion und Logging.
Prüfliste:
- Der FQDN löst öffentlich auf die erwartete Adresse auf.
- Port
80ist während der Validierung zur Firewall erreichbar. - Port
443oder der verwendete HTTPS-Port liefert das neue Zertifikat. - Browser zeigt keine Zertifikatswarnung.
- Zertifikat enthält den erwarteten Hostnamen.
- Ablaufdatum passt zum neu erstellten Zertifikat.
- WAF-Regel, Portal oder WebAdmin verwendet wirklich dieses Zertifikat.
- Log Viewer zeigt keine auffälligen WAF-, Portal- oder Zertifikatsfehler.
- Bei WAF-Veröffentlichungen passt
reverseproxy.logzum Testzeitpunkt.
Ein einfacher externer TLS-Test kann zusätzlich zeigen, welches Zertifikat tatsächlich ausgeliefert wird. Wichtig ist dabei, den Test von ausserhalb des Kundennetzes auszuführen, nicht nur vom internen Client.
Zertifikatskette prüfen
Nach dem Wechsel auf ein neues Let’s-Encrypt-Zertifikat sollte nicht nur der Common Name oder SAN-Eintrag geprüft werden. Entscheidend ist auch, ob der Client die vollständige Zertifikatskette sieht. Wenn ein Browser, eine App oder ein Monitoring-System eine unvollständige Chain meldet, kann die Ursache bei der Zertifikatsauswahl, einem alten importierten Zertifikat, einer falschen WAF-Regel oder einem zwischengeschalteten Reverse Proxy liegen.
Praktisch sollte man diese Punkte prüfen:
- Externer HTTPS-Test zeigt den erwarteten FQDN ohne Zertifikatswarnung.
- Das ausgelieferte Zertifikat ist wirklich das neue Let’s-Encrypt-Zertifikat der Sophos Firewall.
- Die Zertifikatskette ist vollständig und wird nicht durch ein altes Backend- oder Proxy-Zertifikat ersetzt.
- WAF-Regel, Portal oder WebAdmin verwenden dasselbe Zertifikat, das im externen Test sichtbar ist.
- Falls ein vorgeschalteter Load Balancer, Router oder Reverse Proxy beteiligt ist, wird dort kein anderes Zertifikat ausgeliefert.
Diese Prüfung ist besonders wichtig, wenn dieselbe Domain früher über eine andere Veröffentlichung lief oder wenn mehrere WAF-Regeln, DNAT-Regeln oder externe Proxies denselben Hostnamen verwenden. Sonst sieht man im WebAdmin ein gültiges Zertifikat, während Clients von aussen trotzdem eine andere oder unvollständige Chain erhalten.
Erneuerung im Betrieb überwachen
Let’s-Encrypt-Zertifikate sind kurzlebig. Die Stärke der Integration liegt darin, dass die Firewall die Erneuerung automatisch durchführen kann. Trotzdem sollte man den Prozess nicht blind laufen lassen.
In einem Betriebscheck sollten diese Punkte regelmässig geprüft werden:
- Läuft die Firewall auf einem aktuellen, stabilen SFOS-Stand?
- Ist das Zertifikat noch gültig?
- Wurde die automatische Erneuerung erfolgreich durchgeführt?
- Ist Port
80weiterhin für die Validierung erreichbar? - Gibt es neue DNAT- oder WAF-Regeln, die die Validierung blockieren könnten?
- Zeigen Benutzer oder Monitoring Zertifikatswarnungen?
- Gibt es WAF- oder Portalfehler im Log Viewer?
Besonders wichtig ist diese Prüfung nach Firewall-Upgrades, WAF-Änderungen, Providerwechseln, DNS-Umstellungen und Änderungen an vorgeschalteten Routern oder Reverse Proxies.
Typische Fehler
| Fehlerbild | Wahrscheinliche Ursache | Prüfung |
|---|---|---|
| Zertifikat wird nicht erstellt | FQDN zeigt nicht auf die Firewall oder Port 80 ist nicht erreichbar | öffentliche DNS-Auflösung und externen Porttest prüfen |
| Zertifikatsanforderung schlägt nach WAF-Änderung fehl | bestehende Regel fängt HTTP-Validierung ab | DNAT-, WAF- und Firewall-Regeln auf Port 80 prüfen |
| Zertifikat ist erstellt, Browser zeigt aber altes Zertifikat | Dienst verwendet noch ein anderes Zertifikat | WAF-Regel, Portal oder WebAdmin-Zertifikatsauswahl prüfen |
| Browser oder Monitoring meldet unvollständige Zertifikatskette | falsches Zertifikat aktiv, Chain wird nicht vollständig ausgeliefert oder vorgeschalteter Proxy liefert ein anderes Zertifikat | externen TLS-Test, WAF-Regel, Portalzuordnung und mögliche Proxies vergleichen |
| WAF-Anwendung funktioniert nach Zertifikatswechsel nicht sauber | SNI, Domain, Backend-Host oder Schutzprofil passt nicht | WAF-Regel, Domains, reverseproxy.log und Backend-Logs prüfen |
| Erneuerung funktioniert nicht | Validierungspfad hat sich seit der Erstellung geändert | DNS, Port 80, vorgeschaltetes NAT und Firmwarestand prüfen |
| Control Center zeigt WAF- oder Zertifikatswarnung | alte WAF-Regel, WAF-Restart oder Zertifikatsstatus problematisch | Log Viewer, WAF-Regeln und Zertifikatsliste prüfen |
Wenn WAF und Zertifikat zusammen auffällig sind, sollte man nicht nur am Zertifikat suchen. WAF-Matching, Hosted Address, Domains, SNI und Backend-Erreichbarkeit gehören zur gleichen Fehlerkette.
Rollback planen
Bei öffentlichen Portalen und WAF-Anwendungen sollte vor einem Zertifikatswechsel klar sein, wie man zurückgeht.
Sinnvolle Vorbereitung:
- bisheriges Zertifikat nicht sofort löschen
- betroffene WAF-Regel und Portal-Konfiguration dokumentieren
- externen Testzugang bereithalten
- DNS-TTL kennen, falls Hostnamen umgestellt werden
- Wartungsfenster für kritische Portale wählen
- Benutzerkommunikation vorbereiten, wenn ein Portal betroffen ist
Wenn das neue Zertifikat zwar erstellt wurde, aber ein Dienst danach falsch arbeitet, kann man meistens wieder das vorherige Zertifikat auswählen. Wenn die Ursache dagegen eine blockierte HTTP-Validierung ist, hilft ein Zertifikatsrollback nur kurzfristig. Dann muss der Validierungspfad korrigiert werden, sonst scheitert die nächste Erneuerung erneut.
Checkliste
- FQDNs und Dienste dokumentiert.
- Öffentliche DNS-Auflösung geprüft.
- Port
80für HTTP-Validierung geprüft. - Konflikte mit DNAT, WAF oder vorgelagertem NAT geprüft.
- Let’s-Encrypt-Zertifikat erstellt.
- Zertifikat dem richtigen Dienst zugewiesen.
- Externer HTTPS-Test durchgeführt.
- Log Viewer und bei WAF
reverseproxy.loggeprüft. - Renewal-Verantwortung und Monitoring festgelegt.
- Altes Zertifikat erst nach erfolgreichem Betrieb entfernt.
FAQ
Kann Sophos Firewall Let's Encrypt Zertifikate automatisch erneuern?
Unterstützt Sophos Firewall Let's Encrypt Wildcard-Zertifikate?
Warum braucht Let's Encrypt Port 80?
80 von aussen zur Firewall erreichbar sein.Kann man ein Let's-Encrypt-Zertifikat für WAF verwenden?
Was prüft man, wenn die Erneuerung fehlschlägt?
80, vorgeschaltetes NAT, DNAT- oder WAF-Konflikte, Zertifikatsstatus und Log Viewer prüfen. Bei WAF-Veröffentlichungen ist zusätzlich reverseproxy.log relevant.