Sophos Firewall CA-Zertifikat für TLS Inspection verteilen
Wenn eine Sophos Firewall HTTPS-Verbindungen per TLS Inspection oder HTTPS Scanning entschlüsselt, erstellt die Firewall für die geprüfte Verbindung ein neues Zertifikat und signiert es mit einer lokalen CA. Clients müssen dieser CA vertrauen, sonst erscheinen Browserwarnungen oder Anwendungen brechen die Verbindung ab.
In Sophos Firewall ist dafür standardmässig die eingebaute CA SecurityAppliance_SSL_CA vorhanden. Diese CA kann unter Certificates > Certificate authorities heruntergeladen und auf verwalteten Clients verteilt werden.
Der Artikel Sophos Firewall TLS Inspection richtig einführen beschreibt den gesamten Rollout. Diese Anleitung konzentriert sich auf die Verteilung des CA-Zertifikats an Windows, macOS und Firefox.
Was dieses Zertifikat leistet
Das Sophos Firewall CA-Zertifikat ist kein Serverzertifikat für WebAdmin, WAF oder VPN Portal. Es ist die Vertrauensbasis, mit der Clients die von der Firewall neu signierten HTTPS-Verbindungen akzeptieren.
Wichtig ist die Trennung:
| Bereich | Bedeutung |
|---|---|
| Firewall CA | signiert während TLS Inspection neu erzeugte Zertifikate |
| Client Trust Store | entscheidet, ob Browser und Anwendungen dieser CA vertrauen |
| SSL/TLS Inspection Rule | entscheidet, welcher Traffic entschlüsselt wird |
| Decryption Profile | legt fest, wie streng Zertifikate, TLS-Versionen und Fehler behandelt werden |
| Exclusion List | verhindert Decryption für problematische oder bewusst ausgenommene Ziele |
Die CA-Verteilung allein aktiviert also keine TLS Inspection. Die Verteilung verhindert nur, dass verwaltete Clients bei entschlüsseltem HTTPS-Traffic Zertifikatswarnungen anzeigen. Ob Traffic tatsächlich entschlüsselt wird, hängt von Firewall-Regeln, Web Policy, SSL/TLS Inspection Rules, Decryption Profiles und Ausnahmen ab.
Vor dem Rollout
Vor der Verteilung sollte klar sein, welche Clients TLS Inspection nutzen sollen. Ein CA-Zertifikat gehört nicht unkontrolliert auf jedes Gerät, sondern gezielt auf verwaltete Firmenclients.
Vorbereitung:
- Testgruppe oder Test-OU definieren.
- Rollback und Ausnahmeprozess dokumentieren.
- CA-Zertifikat nur aus der eigenen Firewall herunterladen.
- Verteilung zuerst auf wenigen Geräten testen.
- Browser, Business-Anwendungen und Updates nach der Verteilung prüfen.
- Alte oder nicht mehr verwendete CA-Zertifikate aus dem Client Trust Store entfernen.
⚠️ Achtung: Wenn die CA oder der private Schlüssel kompromittiert wurde, reicht eine Neuverteilung nicht. Dann muss die CA auf der Firewall regeneriert, neu verteilt und die alte CA aus den Clients entfernt werden.
Verteilungsweg wählen
Der richtige Verteilungsweg hängt davon ab, wie die Geräte verwaltet werden.
| Gerätetyp | Sinnvoller Weg | Hinweis |
|---|---|---|
| Windows Domain Clients | GPO in Trusted Root Certification Authorities | sauber für klassische Active-Directory-Umgebungen |
| Windows ohne Domäne | MDM, Intune oder lokaler Import | lokaler Import nur für Tests oder Einzelgeräte |
| macOS | MDM-Profil oder Schlüsselbund System | manuelle Installation nur für Tests oder kleine Umgebungen |
| Firefox | Windows Trust Store verwenden oder Mozilla Enterprise Policies | Firefox-Verhalten muss separat geprüft werden |
| BYOD oder private Geräte | normalerweise nicht verteilen | TLS Inspection gehört auf verwaltete Unternehmensgeräte |
| Server | nur bei bewusst geprüften Server-Workloads | ausgehender Servertraffic kann andere Risiken und Ausnahmen haben |
Für den produktiven Betrieb ist entscheidend, dass der gleiche Rollout später auch wieder zurückgebaut werden kann. Wer die CA per GPO, MDM oder Policy verteilt, sollte deshalb auch den Entzug der alten CA testen.
Sophos Firewall CA herunterladen
Auf der Sophos Firewall wird das Zertifikat in der Weboberfläche heruntergeladen:
- Als Administrator an der Sophos Firewall anmelden.
- Certificates > Certificate authorities öffnen.
- Die CA
SecurityAppliance_SSL_CAsuchen. - Über das Download-Symbol das Zertifikat herunterladen.

Das Zertifikat liegt danach üblicherweise als SecurityAppliance_SSL_CA.pem vor. Diese Datei enthält den öffentlichen Teil der CA und kann an Clients verteilt werden. Der private Schlüssel darf nicht auf Clients verteilt werden.
Die Datei sollte wie ein sicherheitsrelevantes Konfigurationselement behandelt werden. Der öffentliche Teil ist kein Passwort, aber er definiert, welcher CA Clients künftig vertrauen. Deshalb sollte die Datei aus der eigenen produktiven Firewall stammen, versioniert oder zumindest nachvollziehbar abgelegt und nicht aus alten Projekten wiederverwendet werden.
Windows: Zertifikat per GPO verteilen
In Active-Directory-Umgebungen ist eine Gruppenrichtlinie der sauberste Weg. Edge, Chrome und viele Windows-Anwendungen vertrauen dem Windows-Zertifikatsspeicher.
Empfohlener Pfad in der Gruppenrichtlinienverwaltung:
Computer Configuration > Policies > Windows Settings > Security Settings > Public Key Policies > Trusted Root Certification Authorities > Certificates
Vorgehen:
- Gruppenrichtlinienverwaltung auf einem Domain Controller oder Admin-Client öffnen.
- Bestehende GPO für Client-Baseline verwenden oder neue GPO für TLS-Inspection-Testgruppe erstellen.
- Zum Pfad Trusted Root Certification Authorities > Certificates wechseln.
- Rechtsklick in die Zertifikatsliste ausführen.
- All Tasks > Import auswählen.
SecurityAppliance_SSL_CA.pemimportieren.- GPO nur mit der gewünschten OU oder Sicherheitsgruppe verknüpfen.
- Auf einem Testclient
gpupdate /forceausführen oder auf die reguläre Aktualisierung warten.

Für produktive Umgebungen sollte die GPO nicht direkt auf alle Computer angewendet werden. Eine Test-OU reduziert das Risiko, wenn ein Zertifikat falsch importiert wurde oder eine Anwendung unerwartet reagiert.
Windows: Zertifikat lokal installieren
Für einzelne Testgeräte kann das Zertifikat lokal importiert werden. Dabei gibt es zwei sinnvolle Varianten:
- Local Computer Store: gilt für alle Benutzer auf dem Gerät und ist für verwaltete Clients meist richtig.
- Current User Store: gilt nur für den angemeldeten Benutzer und ist für Tests manchmal ausreichend.
Für den lokalen Computer:
- Als lokaler Administrator anmelden.
certlm.mscstarten.- Trusted Root Certification Authorities > Certificates öffnen.
- Rechtsklick in die Zertifikatsliste ausführen.
- All Tasks > Import auswählen.
SecurityAppliance_SSL_CA.pemimportieren.
Für den aktuellen Benutzer kann alternativ certmgr.msc verwendet werden.

Nach dem Import sollten Browser und Anwendungen neu gestartet werden. Bei manchen Anwendungen ist eine Abmeldung oder ein Neustart des Clients sinnvoll.
macOS: Zertifikat im Schlüsselbund vertrauen
Auf macOS wird das Zertifikat über die Schlüsselbundverwaltung importiert.
Vorgehen:
SecurityAppliance_SSL_CA.pemauf den Mac kopieren.- Zertifikat per Doppelklick öffnen.
- Im Schlüsselbund System oder einem verwalteten MDM-Profil bereitstellen.
- Zertifikat öffnen und unter Trust den Eintrag Always Trust setzen.
- Änderung mit einem Admin-Konto bestätigen.
- Browser und betroffene Anwendungen neu starten.

In grösseren macOS-Umgebungen sollte die Verteilung über MDM erfolgen. Manuelle Installation ist eher für Tests oder Einzelgeräte geeignet.
Zertifikat auf verwalteten Geräten prüfen
Nach der Verteilung sollte man auf mindestens einem Testgerät pro Plattform prüfen, ob die CA wirklich im richtigen Trust Store gelandet ist.
| Plattform | Prüfung |
|---|---|
| Windows Computer Store | certlm.msc öffnen und unter Trusted Root Certification Authorities > Certificates suchen |
| Windows Current User Store | certmgr.msc öffnen und den Benutzer-Trust-Store prüfen |
| macOS | Schlüsselbundverwaltung öffnen und im Schlüsselbund System den Trust-Status prüfen |
| Firefox | Settings > Privacy & Security > Certificates > View Certificates öffnen |
Wenn ein Zertifikat nur im Benutzer-Store liegt, eine Anwendung aber den Computer-Store erwartet, kann der Browser funktionieren und eine andere Anwendung trotzdem Zertifikatsfehler zeigen. Umgekehrt können Browser mit eigenem Trust Store die Windows- oder macOS-Verteilung ignorieren, wenn sie nicht entsprechend konfiguriert sind.
Firefox unter Windows
Firefox kann je nach Konfiguration eigene Zertifikatsspeicher verwenden. In Windows-Umgebungen gibt es zwei übliche Wege:
- Firefox so konfigurieren, dass Windows Root CAs verwendet werden.
- Zertifikate über Mozilla Enterprise Policies verteilen.
Die zweite Variante ist in Umgebungen sinnvoll, in denen Firefox zentral über GPO gesteuert wird.
Firefox-GPO-Vorlagen herunterladen
Mozilla stellt die Policy Templates auf GitHub bereit. Benötigt werden unter anderem:
firefox.admxmozilla.admxfirefox.admlmozilla.adml
Die Dateien können aus dem Mozilla Policy Templates Repository oder als policy_templates.zip heruntergeladen werden.

Vorlagen importieren
Die ADMX- und ADML-Dateien werden in den zentralen PolicyDefinitions-Pfad kopiert.
Typischer lokaler Pfad:
C:\Windows\PolicyDefinitions
Bei einem Central Store in der Domäne wird stattdessen der PolicyDefinitions-Ordner unter SYSVOL verwendet.

Firefox-Richtlinie konfigurieren
In der Gruppenrichtlinie wird das Zertifikat anschliessend unter den Firefox-Policies eingetragen:
Administrative Templates > Mozilla > Firefox > Certificates > Install Certificates
Vorgehen:
- Richtlinie Install Certificates aktivieren.
- Dateinamen des Zertifikats eintragen, zum Beispiel
SecurityAppliance_SSL_CA.pem. - Zertifikatsdatei per GPO oder Softwareverteilung in das erwartete Benutzerprofil-Verzeichnis kopieren.

Je nach Firefox-Version und Policy-Konfiguration werden Zertifikate aus diesen Verzeichnissen gelesen:
%USERPROFILE%\AppData\Local\Mozilla\Certificates
%USERPROFILE%\AppData\Roaming\Mozilla\Certificates
Nach der nächsten Firefox-Sitzung sollte das Zertifikat in der Firefox-Zertifikatsverwaltung sichtbar sein.

Mozilla dokumentiert zusätzliche Pfade und Varianten im Wiki: Add Root Certificate to Firefox.
Funktion prüfen
Nach der Verteilung sollte man nicht nur prüfen, ob das Zertifikat vorhanden ist. Entscheidend ist, ob TLS Inspection sauber funktioniert.
Sinnvolle Tests:
- Testclient neu starten oder Benutzer neu anmelden.
- Browser öffnen und eine HTTPS-Seite aufrufen, die von der Sophos Firewall entschlüsselt wird.
- Im Browser das Zertifikat der Website anzeigen.
- Prüfen, ob die Zertifikatskette über
SecurityAppliance_SSL_CAoder die gewählte Sophos CA läuft. - Auf der Firewall im Log Viewer > SSL/TLS inspection prüfen, ob der Traffic als entschlüsselt angezeigt wird.
- Wichtige Business-Anwendungen, Update-Dienste, Collaboration-Tools und Identity-Provider testen.
Wenn die Browserwarnung verschwindet, aber Anwendungen weiterhin Fehler zeigen, liegt das Problem oft nicht am Zertifikat selbst. Häufig sind Certificate Pinning, fehlende TLS-Ausnahmen, ein falsches Decryption Profile oder eine ungeeignete SSL/TLS Inspection Rule die Ursache.
Für Web-Traffic sollte zusätzlich geprüft werden, ob QUIC beziehungsweise HTTP/3 die erwartete Inspection umgeht. Der Artikel Sophos Firewall QUIC und HTTP/3 richtig blockieren erklärt, warum Block QUIC protocol bei Webfiltering, Malware-Scanning und TLS Inspection relevant bleibt.
Typische Fehler
| Problem | Wahrscheinliche Ursache | Prüfung |
|---|---|---|
| Browser zeigt weiterhin Zertifikatswarnung | CA nicht im richtigen Trust Store | Windows/macOS/Firefox Zertifikatsspeicher prüfen |
| Chrome funktioniert, Firefox nicht | Firefox nutzt eigenen Zertifikatsspeicher | Firefox-Policies oder Firefox-Zertifikatsverwaltung prüfen |
| Einzelne Anwendungen brechen ab | Certificate Pinning oder eigene Zertifikatsprüfung | TLS Inspection Log Viewer und Ausnahmen prüfen |
| Nur manche Clients funktionieren | GPO greift nicht oder falsche OU | gpresult und GPO-Verknüpfung prüfen |
| Nach CA-Regeneration gibt es Warnungen | alte CA noch auf Clients oder neue CA fehlt | alte CA entfernen, neue CA verteilen |
| URL-Feeds oder Webfilter greifen nicht wie erwartet | HTTPS-Pfad wird nicht entschlüsselt | TLS Inspection und Web-Policy prüfen |
| Zertifikat ist vorhanden, aber Traffic wird nicht entschlüsselt | keine passende SSL/TLS Inspection Rule oder falscher DPI/Web-Proxy-Pfad | TLS-Rollout, Firewall-Regel und Log Viewer prüfen |
| Nur Mobile Apps oder einzelne Clients brechen ab | eigener Trust Store, Certificate Pinning oder App-spezifische Prüfung | gezielte Ausnahme statt globale Deaktivierung prüfen |
CA-Rotation und Notfall
Eine CA sollte nicht unbemerkt über Jahre betrieben werden, ohne dass Ablaufdatum, Herkunft und Verteilung bekannt sind. Für produktive Umgebungen sollte es einen kleinen Lifecycle-Prozess geben.
Geplanter Wechsel:
- Neue CA oder neue Firewall-CA vorbereiten.
- Neue CA an eine Testgruppe verteilen.
- TLS Inspection mit Testgruppe prüfen.
- Neue CA an alle betroffenen verwalteten Geräte verteilen.
- Firewall-Regeln und Decryption Profiles kontrollieren.
- Alte CA erst entfernen, wenn alle produktiven Geräte die neue CA erhalten haben.
Notfall bei Kompromittierung:
- TLS Inspection bei Bedarf kontrolliert einschränken oder temporär deaktivieren.
- Betroffene CA auf der Firewall ersetzen.
- Neue CA über den definierten Verteilungsweg ausrollen.
- Alte CA aus allen Trust Stores entfernen.
- Ausnahmen, Log Viewer und betroffene Anwendungen nachprüfen.
- Änderung im Incident- oder Change-System dokumentieren.
Wichtig: Eine kompromittierte CA ist kein normales Zertifikatsproblem. Wenn ein Angreifer den privaten Schlüssel kontrolliert, können Clients gefälschten Zertifikaten vertrauen. Dann muss die alte CA konsequent entfernt werden.
Betrieb und Pflege
Das CA-Zertifikat sollte Teil des Betriebsprozesses sein:
- Ablaufdatum und Verantwortliche dokumentieren.
- CA-Regeneration nur geplant durchführen.
- Alte CA nach Migration aus Clients entfernen.
- Verteilung über GPO oder MDM regelmässig prüfen.
- TLS-Ausnahmen dokumentieren und periodisch reviewen.
- Bei Geräteverlust oder CA-Kompromittierung die CA regenerieren.
Bei einer Änderung an TLS Inspection sollte man auch die betroffenen Firewall-Regeln, Decryption Profiles und Exclusion Lists prüfen. Sonst vertraut der Client zwar der CA, aber die Firewall entschlüsselt trotzdem nicht den gewünschten Traffic.